Story
August 30, 2026
Warshs Inflationswarnung bringt Zinserhöhung im September ins Spiel
Kevin Warshs Rede in Jackson Hole hat die Erwartungen geschärft, dass die Fed die Zinsen im September anheben könnte, falls die Inflation nicht nachlässt. Europäische Entscheidungsträger teilen die Sorge, während Andrew Bailey von der Bank of England Spielraum zum Abwarten sieht.
Kevin Warsh hat bei der Federal Reserve wieder eine Botschaft gesetzt, die die Inflation an erste Stelle stellt, und die Märkte auf die Möglichkeit einer strafferen Geldpolitik eingestimmt. Europäische Zinsentscheider lesen eine ähnliche Warnung aus den Daten, doch die Bank of England sieht eine schwächere Wirtschaft, die gegen überstürztes Handeln spricht.
In Jackson Hole versprach Warsh in seiner ersten großen Rede als Fed-Chef, die Inflation zu bekämpfen, und hob zugleich künstliche Intelligenz als neuen Schwerpunkt der Zentralbank hervor.1 Die unmittelbare geldpolitische Botschaft war jedoch eindeutig traditioneller: Die Inflation bleibt zu hoch, die Finanzierungsbedingungen sind nicht besonders restriktiv, und die Fed muss möglicherweise handeln.
Warsh bekräftigte das PCE-Inflationsziel der Fed von 2 % als ein „festes, unverrückbares Ziel“ und sagte, die jüngsten Daten hätten keine bedeutende Verbesserung der zugrunde liegenden Trends gezeigt. „Wir müssen zuversichtlich sein, dass sich die Kerninflation klar und mit ausreichender Geschwindigkeit auf unser Ziel zubewegt“, sagte er. „Andernfalls haben wir Arbeit zu erledigen.“2 Die Märkte interpretierten diese Formulierung als Öffnung der Tür für eine Zinserhöhung, nicht als Festlegung der Fed darauf.
Der Kalender bündelt nun den Druck. Die Verbraucherpreisdaten werden am 11. September veröffentlicht, nur wenige Tage vor der Fed-Sitzung am 15. und 16. September, wodurch dieser Bericht zu einem entscheidenden Test dafür wird, ob Warshs Warnung zur Politik wird.3
Auf der anderen Seite des Atlantiks schlugen EZB-Vertreter einen auffallend ähnlichen Ton an. Der Slowene Primoz Dolenc sagte, anhaltende Inflation und wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit sprächen für eine Erhöhung im September: „Mit den neuen eingehenden Daten sehen wir, dass sich die Inflationssituation nicht von selbst löst.“ Auch Österreichs Martin Kocher warnte vor „Wachsamkeit“ und davor, „nicht selbstzufrieden“ zu sein.4
Andrew Bailey lieferte das deutlichste Gegengewicht. Der Gouverneur der Bank of England verwies auf gedämpfte Zweitrundeneffekte der Inflation und einen Arbeitsmarkt, der sich seit einiger Zeit abgeschwächt habe. „Ich denke, wir können diese Situation vorerst beobachten“, sagte Bailey.4 Die Spaltung macht den September zu einem Wettstreit zwischen Warshs Forderung nach Belegen dafür, dass die Inflation sinkt, und Baileys Plädoyer für Geduld.