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27. Okt. 2026
KI fand die verborgenen Schwachstellen von PHP, doch ein Leak machte die Behebung zum Wettlauf
Forscher und Cyberbehörden sehen KI als notwendigen Vorteil, um verborgene Schwachstellen vor Kriminellen zu finden, während der PHP-Wettlauf zeigte, dass schnellere Entdeckungen wenig bringen, wenn Offenlegung und Patchen nicht Schritt halten können. Für Website-Betreiber war die Lehre weniger theoretisch: schnell patchen oder vorübergehend offline gehen.
Anfang August bat der Wiz-Forscher Sagi Tzadik einen KI-Agenten zu prüfen, ob sich eine von ihm in WordPress gefundene Schwäche auf Drupal übertragen ließe. Der Agent scheiterte an dieser Aufgabe – legte jedoch eine PHP-Schwachstelle offen, die offenbar mehr als ein Jahrzehnt lang unentdeckt geblieben war. Tzadik zweifelte zunächst am Ergebnis: „Modelle neigen zu Halluzinationen.“ Der Exploit funktionierte trotzdem.1
Ein separates Team bei Calif fand in Zusammenarbeit mit OpenAI eine verwandte Schwachstelle. Die Entdeckungen verschafften Verteidigern einen ungewöhnlichen Vorsprung. Wiz, Calif und die PHP-Maintainer bildeten eine informelle Gruppe von rund 15 Forschern, die Erkenntnisse austauschten und über Wochen einen Patch entwickelten – in einem Prozess, den Wiz-CTO Tomer Schwartz als „nur auf Vertrauen basierend“ bezeichnete.1 Ihr Optimismus beruhte auf einer harten Realität: KI kann Monate der Sicherheitsforschung auf Stunden oder Tage verkürzen, aber sie kann Angreifern dieselbe Beschleunigung verschaffen.
Diese Gefahr wurde im Oktober akut. PHP bildet die Grundlage für schätzungsweise 70 % der Websites, und die Schwachstellen könnten einem nicht authentifizierten Angreifer ermöglichen, Befehle auf verwundbaren Servern auszuführen. Das Problem lag im Kern von PHP, nicht im Code einer einzelnen Website – was bedeutet, dass eine ungepatchte Seite eines kleinen Unternehmens derselben grundlegenden Gefährdung ausgesetzt sein könnte wie eine große Institution.2
Dann geriet der Plan für eine koordinierte Offenlegung ins Wanken. Details kursierten bereits vor der geplanten Veröffentlichung; Calif veröffentlichte versehentlich ein Demonstrationsvideo, und die PHP Foundation warf Chainguard vor, das Embargo gebrochen zu haben. Regierungen und Unternehmen nahmen Websites offline, statt das Risiko eines Eindringens einzugehen. Cloudflare verzeichnete vor der Ankündigung Tausende Exploit-Versuche, dann Zehntausende innerhalb von 45 Minuten, Hunderttausende innerhalb von zwei Stunden und schließlich Millionen.3
Behörden betonten, dass es sich dabei um Versuche handelte, nicht um Belege für massenhafte Kompromittierungen. Deutschlands Cyberbehörde erklärte, keine erfolgreiche Ausnutzung beobachtet zu haben, während die Empfehlung der niederländischen Behörde unmissverständlich war: „patchen, patchen und patchen.“3 Für gewöhnliche Nutzer infiziert der Besuch einer verwundbaren Website nicht selbst ein Gerät; die unmittelbare Last liegt bei Betreibern und Hostern.4
Der PHP-Vorfall ist kein Einzelfall. OpenAI-Präsident Greg Brockman legte separat Arbeiten an einer Schwachstelle zur Remote-Code-Ausführung in der weit verbreiteten Brotli-Kompressionsbibliothek offen und bezeichnete sie als Beispiel dafür, wie schwierig die Koordination nachgelagerter Patches sein kann.
5 Der sich abzeichnende Wettbewerb ist klar: KI könnte helfen, die ältesten Risse des Internets zuerst zu finden, doch Verteidiger müssen sie schließen, bevor die Offenlegung eine Entdeckung in eine Karte für Angreifer verwandelt.