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5. Nov. 2026
ChatGPTs Suchoffensive legt Googles schwächste Flanke offen
OpenAI sieht im Suchwachstum von ChatGPT einen Beleg dafür, dass dialogorientierte KI den dominierenden Zugang zum Web herausfordern kann, während Google daran festhält, dass neue digitale Gewohnheiten den Markt erweitern statt ihn aufzuteilen. Kritiker argumentieren, dass sich diese Chance eröffnet, weil viele Nutzer die Geduld mit der herkömmlichen Suche bereits verloren hatten.
Google schlug 2022 Alarm und rief „Code Red“ aus, als ChatGPT zu einer potenziellen Bedrohung für sein Suchgeschäft wurde. Drei Jahre später beziffert OpenAI diese Disruption.
Bei einer Presseveranstaltung am Montag sagte Adam Fry, Leiter des Consumer-Produkts ChatGPT, der Chatbot verarbeite inzwischen suchähnliche Anfragen in einem Umfang von etwa einem Fünftel des Google-Volumens. OpenAI zählt eine Suche, wenn die Eingabe eines Nutzers eine Websuche auslöst und nicht nur eine einfache Definition oder Antwort auf eine Anleitung liefert; Fry legte die Grundlage für den Google-Vergleich nicht offen.1
Das ist noch weit davon entfernt, ein Unternehmen vom Thron zu stoßen, das nach eigenen Angaben 5 Billionen Suchanfragen pro Jahr bearbeitet. Für ein Produkt, das für Menschen auf der Suche nach schnellen Informationen zu einer wichtigen Alternative geworden ist, ist es jedoch ein bemerkenswerter Umfang. Zum Vergleich: Microsofts Bing hatte nach mehr als einem Jahrzehnt an Bemühungen nur etwa 3 % des Suchmarkts, wie aus Aussagen während Googles Kartellverfahren 2023 hervorging.1
Die optimistische Interpretation lautet, dass Nutzer aktiv zu KI-Oberflächen wechseln — und sie nicht bloß ausprobieren. Einer Darstellung dieses Wandels zufolge spiegelt ChatGPTs Aufstieg eine tiefere Revolte gegen Suchseiten wider, die mit SEO-getriebenen Links überfüllt sind: Nutzer seien „wirklich, wirklich, die Google-Suchergebnisse leid gewesen.“2 ChatGPT bot trotz anhaltender Risiken ungenauer Antworten einen klareren Weg zu Informationen.
Googles Haltung ist weniger defensiv als abweisend. Alphabet-Chef Sundar Pichai argumentierte vergangenes Jahr, dass die Ankunft großer Chatbots das Wachstum von Googles Suchanfragen nicht gebremst habe. „Für mich fühlt es sich sehr weit entfernt von einem Nullsummenspiel an“, sagte er und verglich den Moment mit dem Aufstieg von TikTok neben der anhaltenden Expansion von YouTube.2
Doch der Wettbewerbsdruck verändert das Web bereits. Google treibt AI Overviews und weitere generative Suchfunktionen voran, während OpenAI sein eigenes Ziel als „Intelligent UI“ beschreibt — eine visuelle, interaktive Antwortebene innerhalb des Chatbots. Der Kampf dreht sich nicht mehr nur um Suchfelder; es geht darum, wer zuerst antworten darf.1